Das laute Schrillen der Polizeisirenen hallte in den leeren Straßen New Yorks.
"Verdammt, dass es so früh sein musste! Ist doch absolut zum Kotzen!" sagte ein junger Mann
Mitte zwanzig und fuhr sich mit der Hand durch sein kurzes zersaustes Haar.
Dabei lenkte er den Polizeiwagen scharf in eine Kurve. Der Fahrer des Wagens war Tony McCannon.
Schon seit drei Jahren wurde ihm der Fall "Hitokiri" anvertraut und immer noch hatte er
keinerlei Spuren von dem Killer. Obwohl Tony doch sehr jung für den Job war, hatte er freilich
einige Qualitäten z.B. den schwarzen Gürtel in Kung- Fu. Vom Typ her war er ein Draufgänger, der
seinen Anteil am Leben haben wollte. Sein gutes Aussehen verhalf ihm dabei nicht nur unbedeutend.
Er war recht groß und durch das langjährige Training in Kung- Fu sehr gut gebaut. Die dunkelbraunen
Haare und die grünen Augen taten ihr Übriges dazu. Bei seinen Kollegen genoss er großen Respekt,
da er trotz seines jungen Alters die Fälle schnell und effektiv löste. Nur bei dem Fall "Hitokiri"
war er fast der Verzweiflung nahe. Sein Beifahrer war das genaue Gegenteil von ihm. Jack O`Kail war
etwas älter als Tony. Hatte schwarze Haare und dunkelblaue Augen, die Frauen einfach verrückt machten.
Er arbeitete eigentlich in einem anderen Dezernat der New Yorker Mordkommission, wurde jedoch Tony
als neuer Partner zur Lösung des Hitokiri- Falls zugeteilt. OŽKail war schon immer ein Einzelgänger.
Sein Verhalten zu seinen Mitmenschen war kalt und immer distanziert. Die Maske der Gleichgültigkeit
und eine gewisse Kälte waren in seinem Gesicht stets präsent. Seine Kollegen bewunderten ihn für
seine Arbeit, pflegten aber immer eine sichere Distanz, man wollte ihm nicht in die Quere kommen.
Jetzt waren die beiden ungleichen Kollegen zu einem vermeintlichen Mord unterwegs.
"Ob es wieder der "Hitokiri" war? Bill sagte, dass dem Opfer der Kopf von den Schultern
durch einen scharfen Gegenstand abgetrennt wurde. Wenn es mit einem Schwert passiert ist, dann liegt
die Sache auf der Hand. Es tötet heute keiner mit einem Samurai-Schwert außer ihm. Fuck! Dieser Bastard!
Den kriege ich noch, das wirst du schon sehen OŽKail!" sagte Tony aufgebracht zu seinem stummen Kollegen.
Jack drehte sich langsam zu ihm um und sagte mit einer monotonen und eiskalten Stimme: "Halt
doch mal die Klappe!"
"Hey was hast du für ein Problem, Mann? Du wurdest mir gestern zugeteilt und nicht umgekehrt,
kapiert?! Also halt den Rand!" sagte Tony erbost.
Nachdem McCannon und OŽKail durch einige Polizeiabsperrungen fahren mussten, erreichten sie endlich den
Eingang der Villa. Überall wimmelte es nur so von Polizeibeamten. Auf dem Weg zum Opfer wurde McCannon
von seinen Kollegen freudig begrüßt. Seinen neuen Partner musterte man nur misstrauisch. Geruhsam und
bedächtig, seine Kollegen bei der Arbeit nicht störend, ging McCannon zum Tatort, OŽKail überall an
seinen Fersen. Schließlich kamen sie im Schlafzimmer des Opfers an. Überall arbeitete die Spurensicherung.
Der Oberkörper eines Mannes lag geruhsam auf dem Bett. Die Bettlaken waren blutdurchtränkt. Der Kopf
des Opfers lag mit dem Gesicht nach unten neben dem Bett, an der Seite hatte sich eine Blutlache gebildet.
Die Wände des Zimmers waren voller Blutspritzer.
"Was für eine Schweinerei." bemerkte Tony.
Auf seine Stimme hin drehte sich einer der Polizisten um und begrüßte ihn lächelnd.
"Hey Tony, lange nicht gesehen!" sagte der Polizist und ging auf ihn zu.
"Lange?? Wir haben uns erst gestern gesehen, Bill." erwiderte er etwas genervt.
"Na, na, wo bleibt dein Humor? Ich sehe schon, wenn es um den "Hitokiri- Fall" geht,
ist mit dir nicht zu spaßen. Ist das dein neuer Partner? Hey, ich bin Bill Kelly, nett sie kennen
gelernt zu haben." sagte er und reichte seine Hand zum Händedruck.
Amüsiert beobachtete Tony, wie der rundliche Polizist seine Hand OŽKail reichen wollte, denn zu gut
wusste er, dass er keinem aber auch wirklich keinem die Hand gab. Die Erfahrung hatte er schon selbst
gemacht. Jack musterte Bill abweisend, als dieser ihm die Hand reichen wollte, im gleichen Augenblick
wendete er sich gleichgültig ab, um sich das Opfer näher anzusehen. Seinen Gegenüber lies er verwirrt
und beleidigt zurück.
"Sag mal, wer ist der Kopflose eigentlich?" fragte Tony den immer noch beleidigten Bill.
"Was für ein Problem hat dein Partner eigentlich? So was Arrogantes habe ich ja noch nie gesehen!"
murmelte er leise Tony zu.
"Was weiß ich denn was für ein Problem er hat, ist halt nicht sehr sozial. Also wer ist nun der Tote?"
fragte er ungeduldig.
"Er heißt Rodriges Penzzo, 36 Jahre alt, ist vor 10 Jahren aus Mexiko in die Vereinigten Staaten
ausgewandert, lebt hier mit seiner Freundin, die allerdings gestern nicht zu Hause war. Sein Geld verdient
er angeblich mit Computersoftware, wir glauben aber, es sind Drogengeschäfte im großen Stil, konnten es
aber nie nachweisen." schilderte Bill, als er einige Seiten eines alten Berichtes durchblätterte.
"Es könnte also auch jemand aus der Drogenszene gewesen sein."
"Tja wenn du mich fragst, war das dein Killer. Ich glaube nicht, dass jemand aus der Drogenszene
sich so viel Mühe macht, ihm den Kopf abzuschlagen. Sie würden ihn einfach erschießen. Nur dein verrückter
"Hitokiri" tötet mit einem Schwert." führte Bill seine Ausführungen zu Ende.
Tony nickte nur abwesend und sagte: "Ich gehe mich mal umsehen."
"Tu', was du nicht lassen kannst."
Er ging auf das Bett zu und blieb kurz davor stehen.
"Das war 100%-ig "Hitokiri". So arbeitet nur er, keine Spuren, keine Anhaltspunkte, präzise
und tödlich." sagte Tony in die Stille zwischen seinem Partner und ihm hinein. OŽKail blieb stumm.
Draußen zeigte sich langsam die Sonne und erwärmte mit ihren milden Strahlen die kühle Frühlingsluft.
Unterdessen landete irgendwo in New York ein Flugzeug welches schon die halbe Welt hinter sich hatte.
In einem der Sitze öffnete ein junges Mädchen langsam ihre großen grünen Augen, nachdem sie von den
Sonnenstrahlen wach geküsst wurde. Zur selben Zeit saß von dunklen Schatten umhüllt in einem New Yorker
Apartment ein junger Mann. Neben ihm lag ein Samurai Schwert.