Das Telefon klingelte schon seit ungefähr seit fünf Minuten. Der schrille Ton
erfüllte jeden Zentimeter der Wohnung. Endlich ging eine Tür auf und ein triefend nasser Mann,
bekleidet nur mit einem Badetuch, nahm den Hörer ab. Von den feuchten Haaren des Mannes tropfte
Wasser auf seinen Körper. Er schien nicht älter als zwanzig zu sein, seine dunkelgrauen Augen
verrieten jedoch, dass er um einiges älter war, als er auf den ersten Blick erschien. Der Mann
hieß Ray Dameron - in den Straßen New Yorks als der Killer "Hitokiri" bekannt.
"Ich höre." sagte Ray in den Telefonhörer mit einer tiefen und
monotonen Stimme. "Die Leitung ist für zwei Minuten sauber. Hast du den Umschlag?"
"Ja."
"Sie wird gut bewacht."
"Darüber bin ich schon informiert."
"Unterschätze ihre Beschützer nicht. Es ist ein sehr wichtiger Job." warnte die Stimme am Telefon.
"Wie ich schon sagte, sie brauchen sich nicht zu sorgen, Sir."
"Wenn du diesen Job vermasselst." warnte die Stimme eindringlich.
"Wozu die ganze Extrainformation? Normalerweise kriege ich den Umschlag und die Sache ist
erledigt." fragte er etwas verärgert und wechselte den Telefonhörer ans andere Ohr.
"Es ist ein sehr wichtiger Job."
"Das sind alle meine Jobs."
Es folgte eine längere Pause in der die Stimme am Telefon wohl überlegte,
ob seine Worte und die Wichtigkeit der Mission voll erfasst wurden. Ray verlagerte sein Gewicht
von einem Fuß auf den anderen und wartete geduldig. In der Zeit, in der er wartete hat sich neben
ihm schon eine Lache Wasser gebildet.
"Also gut" sagte die Stimme am Telefon, "sie wird im östlichen Flügel des Labors
der "General John Flickmann Militärbasis" sein. Töte sie schnell und vermassele es nicht.
Noch was, guter Job heut Nacht."
Damit war das Gespräch beendet. Er legte den Telefonhörer auf und seufzte. Ein anderer Tag und ein
anderer Mensch, der heute aufhören wird zu atmen.
Langsam durchquerte er sein 2- Zimmer-Apartment auf dem Weg zum Badezimmer, um erneut eine Dusche
zu nehmen. Kurz vor dem Kamin blieb er stehen und betrachtete seine Sammlung der Samurai-Schwerter.
Die altertümlichen Waffen befanden sich in ihren Hüllen und hingen zu Dekorationszwecken lose an
der ganzen Wand verteilt. Ray streckte den Arm aus und griff nach einer. Mit einer fließenden Bewegung
nahm er das Schwert aus seiner Scheide. Das antike Stück, das er in seinen Händen hielt, gehörte eher
in ein Museum, und das nicht nur wegen seiner einzigartigen Erlesenheit. Die Schwertscheide war aus
Metall, und ein schwarzer Drache schlang sich entlang dieser. Der Griff des Schwertes zeigte Spuren
der häufigen Nutzung, so z.B. Handschweiß, der bei Benutzung erzeugt wurde. Ray steckte die Waffe
wieder in seine Hülle und hängte sie an seinen Platz an der Wand. Heute Nacht wird er sie wieder
brauchen.
Nachdenklich setzte er seinen Weg zum Bad fort. Nach einer kurzen Dusche muss er sich noch zum
Schlafen hinlegen um für den Auftrag fit zu sein. Ein geruhsamer Schlaf war aber für den Killer
so weit entfernt wie kaum etwas anderes. Seine Erinnerungen würden ihn so lange wach halten, bis
er vor lauter Erschöpfung in einen ruhelosen Schlaf fällt. Denn er wird wieder von blutigen
Alpträumen verfolgt werden, bis er schweißgebadet und mit einem auf den Lippen gestorbenem Schrei
aufwacht. Mit diesen Gedanken geplagt stand er unter der Dusche und ließ die heißen Wassertropfen
auf seinen Körper fallen. Wenn man nur die bedrückende Schuld mit heißem Wasser abwaschen könnte
wie das Blut das an seinen Händen nach jedem Mord klebte. Eine Wunschvorstellung - nichts anderes;
aber für einen Moment ließ er diese Vorstellung zu.